Zähne

Aus Chemie-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zahngesundheit und was so dazu gehört[Bearbeiten]

Fangen wir mal mit dem Speichel an. Der umspült unsere Zähne kontinuierlich. Er hat nicht nur die Aufgabe das Essen anzufeuchten, um es besser schluckbar zu machen, sondern er neutralisiert das Millieu im Mund. Speichel enthält Hydrogencarbonat (HCO3-). Dies ist in der Lage die mikrobiell gebildete Säure zu neutralisieren. Tagsüber werden ca. 20 mL/h produziert und runtergeschluckt. Isst man etwas vervielfacht sich die Produktion. Dadurch fällt uns wie gesagt das schlucken des Nahrungsbreies wesentlich leichter. Da sich im Speichel auch schon einige Verdauungsenzyme (-Amylase) befinden wird die Nahrung auch schon anverdaut. Das kann man selber auch ganz leicht ausprobieren. Kaut man nämlich mal ein paar Minuten auf einem trockenen Stück Brot rum, schmeckt es nach einiger Zeit sehr süß. Die Kohlenhydrate des Brotes werden angegriffen und in Zuckermoleküle gespalten. Auch einige Abwehrenzyme, wie IgA und Lysozym, sind im Speichel vorhanden und bieten uns Schutz. Last but not least hat eine Übersättigung an Phosphat- und Calciumionen einen remineralisierenden Effekt auf die Zähne. Da die Speichelproduktion nachts auf 4 mL/h gesenkt wird ist das Zähneputzen vor dem Schlafen gehen besonders wichtig. Der Speichel schützt unsere Zähne jedoch nur oberflächlich. Die Mikroorganismen in tieferen Schichten sind duch Polysaccharide geschützt. Um sie zu vertreiben braucht man drastischere Mittel: Zahnbürsten, Zahnpasta, Mundspülungen und Zahnseide etc. Dazu kommen wir jedoch etwas später.


Schutz wovor?[Bearbeiten]

Kariöse Läsionen, oder auch im Volksmund Karies genannt, entstehen durch säurebedingte Entkalkungen der Zahnsubstanz. Diese Säure wird durch Mikroorganismen gebildet, die sich in unserem Mund recht heimelig fühlen und dort auch kontinuierlich mit Nahrung versorgt werden. Der bakterielle Zahnbelag, auch Zahnplaque genannt, ist grundsätzlich mal nicht krankheitsverursachend. Schlimm wirds erst wenn dieser Bakertienrasen ungehemmt wachsen kann und so auch in tiefere Zahnschichten vordringen kann. Damit es pathogen wird brauchts mehrere Faktoren:

Für Karies heißt das, man braucht Mirkoorganismen, Stellen wo sie sich ansiedeln können, Zeit, Essen und noch mal Zeit. Auf dem Zahn befindet sich eine Proteinschicht, die sogenannte Cuticula dentis. An diese Schicht können sich Mikroorganismen anlagern, wie mit einem Anker. Die Proteinschicht stammt übrigens aus dem schon erwähnten Speichel. An und für sich ist diese Bakterienschicht nichts schlimmes, doch über die Zeit verändert sich die Zusammensetzung der Bakterienbevölkerung. Säurebildende und anaerobe Bakterien machen ihrem Namen alle Ehre und bilden Säure. Dadurch werden andere Mikroorganismen (die Säureempfindlichen) verdrängt. Es fehlen Nahrungskonkurrenten und mehr säurebildende Bakterien haben Platz. Streptococcus mutans ist z.B. so ein Kandidat. Er hat ein hohes kariogenes Potential. Er kann die Glucose aus unserer Nahrung anaerob (also ohne Sauerstoff) zu Milchsäure, Propionsäure, Essig- und Buttersäure abbauen. Diese Säuren sind in der Lage den Zahnschmelz, die schützende Hülle unserer Zähne, zu entmineralisieren (vgl. Reaktionsgleichung unten). S. mutans kann aber auch aus Saccharose (einem Disaccharid) Glucose herauslösen und diese für sich verwenden. Er bildet hieraus ein dextranähnliches Polymer, mit dem er sich noch besser an die Zähne anhaften kann. Es schützt die Keime auch vor schädlchen Umwelteinflüssen. Aus dem Fructoseanteil der Saccharose bildet er Nahrungsreserven für schlechte Zeiten.

Ca10(PO4)6(OH)2 (Apatit) + 8 H+ 10 Ca2+ + 6 (HPO4)2- + 2H2O

Durch die gezeigte Reaktion wird der Zahnschmelz instabil und die kristalline Sturktur geht kaputt. Die Reaktion läuft schon bei einem pH-Wert von 5,5 ab. Diese Entkalkungsreaktion läuft anfangs nur oberflächlich ab. Je länger man die Zähne nicht putzt desto tiefer dringt sie jedoch vor. Fängt man dann wieder mit putzen an ist sie vielleicht schon so tief vorgedrungen, dass man mit der Zahnbürste schon gar nicht mehr hin kommt.

Zahnschutz - Was gibt's da denn so alles?[Bearbeiten]

Absehen von Mundspüllösungen, Zahnpasta Mittel zur Fluoridierung und zum Bleichen der Zähne gibt es viele "Kleinigkeiten" die man machen kann um die Zähne gesund zu erhalten. Die Verwendung von Süßstoff anstelle von Zucker ist eines, die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz ein anderes Mittel. Das soll nicht heißen, dass man sich das Putzen durch Verwendung von Süßstoff ersparen kann, es wirkt aber unterstützend.

Ansonsten gibt es antimikrobielle Wirkstoffe, die die Bakterien direkt abtöten. Chlorhexidin zum Beispiel. Dies ist in medizinischen Mundspüllösungen enthalten. Cetylpyridiniumchlorid findet man in Zahnpasta.

Fluorverbindungen sind für die Zahngesundheit jedoch am wichtigsten. Fluorid (F-) erhöht die Widerstandkraft des Schmelzes gegenüber Säuren. Die Hydroxylgruppe (OH-) des Apatits wird gegen F- ausgetauscht. Es steigert die Remineralisierung des Schmelzes und Entzieht den Plaquebakterien auch noch Calcium, welches sie benötigen um sich an die Cuticula anzuheften. Last but not least hemmt Fluorid auch noch den Stffwechsel der Mikroorganismen was zu einer geringeren Säureproduktion führt.

Häufig wird Natriumfluorid NaF in Zahnpasta eingesetzt. Es gibt aber auch medizinische Zahnpasta, die man nur alles 2 Tage verwenden soll. Diese enthält beispielsweise Amin-Fluorid.