Trink-, Mineral- und Heilwasser

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Rechtliche Einteilung der Wasserarten[Bearbeiten]

Europaweit werden ca. 1000 unterschiedliche Mineralwasserarten abgefüllt, knapp 500 davon stammen aus Deutschland aus ca. 200 Mineralbrunnenbetrieben. Die regionalen Unterschiede der geologischen Schichten sorgen für eine große Vielfalt, die sich nicht nur in der Mineralstoffzusammensetzung zeigt, sondern auch für geschmackliche Unterschiede sorgt.
Qualitative Unterschiede zeigt die Verkehrsbezeichnung. Die Qualität nimmt der Reihe nach ab: Heilwasser, Natürliches Mineralwasser, Quellwasser und Tafelwasser.
Da Trinkwasser nur in begrenzten Mengen in Fertigpackungen an den Verbraucher abgegeben wird, hat es eine Sonderstellung. Trinkwasser kommt im Haushalt aus dem Wasserhahn und wird gleichermaßen auch als Leitungswasser bezeichnet.


Trinkwasser[Bearbeiten]

Allgemeine Informationen[Bearbeiten]

Trinkwasser sowohl in Europa als auch in Deutschland stark reglementiert. Da Wasser ein universelles Lösungsmittel ist, kann jeder Stoff der ins Wasser gelangt auch mit dem Wasser transportiert werden und so auf den Menschen übertragen werden. Aufgrund der starken rechtlichen Vorgaben und Kontrollen, ist das Leitungswasser das Trinkwasser schlechthin. Es soll klar, kühl, farb- und geruchlos sein. Es darf keine Krankheitserreger enthalten und soll grundsätzlich keimarm sein (keimfrei ist meist nur für medizinische Zwecke bezahl- und machbar). Das Wasser soll geschmacklich einwandfrei sein und es darf keine Werkstoffkorrosion verursachen (Belitz et al., 2008).
EU-weit ist Leitungswasser eines der bestkontrolliertesten Lebensmittel. Es muss der EU-Trinkwasser-Richtlinie entsprechen. Diese wird in Deutschland in der Trinkwasser-Verordnung (TrinkwV) umgesetzt. Die Regierung bemüht sich seit Jahren Wassersparmaßnahmen durchzusetzen und das Verhalten der Bevölkerung im Umgang mit Wasser zu sensibilisieren. So lag der Prokopf-Verbrauch 1990 bei ca. 150 L / Tag und sank bis 2007 um fast 30 L auf durchschnittlich 122 L / Tag und Person. In Baden Württemberg lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2007 bei ca. 117 L / Tag. Nur ein kleiner Teil des Wasser wird aber wirklich getrunken, der Rest wird für Körperpflege, Putzen, Bewässern des Gartens und die WC-Spülung verwendet.
Die Sparmaßnahmen dürfen aber nicht übertrieben werden und dadurch die Gesundheit gefährden. So sollte das Stagnationswasser der Leitungen erst abgelassen werden bevor morgens Wasser für die Kaffee aus dem Hahn entnommen wird. Je länger das Wasser in der Leitung stagniert desto mehr Metalle können sich evtl auch im Wasser lösen.

Herkunft des Leitungswasser[Bearbeiten]

Zwei Drittel des Leitungswassers in Deutschland werden aus dem Grundwasser bezogen, der Rest kommt aus Oberflächengewässern, wie zum Beispiel dem Bodensee. Dies ist verständlicher Weise regional sehr unterschiedlich, je nach den natürlichen Gegebenheiten, wirtschaftlichen, politischen oder ökologischen Voraussetzungen der Gegend.

Wasseraufbereitung[Bearbeiten]

Generell wird bei der Wasseraufbereitung zunächst uber Kies- und Sandschichten filtriert, um das Wasser von groben Schwebeteilchen zu befreien. Danach werden evtl. vorhandene Huminsäuren (= hochmolekulare, chemische Verbindungen, die beim Abbau von biologischem Material entstehen), die das Wasser gelb bis braun färben, mit Aluminiumsulfat ausgefällt. Um die Qualität weiter zu verbessern wird Leitungswasser noch belüftet, wobei Fe(HCO3)2 als Eisen(III)hydroxid ausgefällt wird. Ist der pH-Wert größer als 8,5 fällt auch Mangan als MnO2aus.
Weiterhin muss meist ein Teil der Kohlensäure entfernt werden, da diese die Leitungen korrodieren würde. Als letzter Schritt wird Leitungswasser häufig ozoniert oder gechlort, um die mikrobiologische Stabilit ̈t zu gewährleisten, wobei die Notwendigkeit der Ozonung und der Chlorierung in Deutschland rückläufig ist. Die Trinkwasserverordnung regelt Höchstmengen einzelner Komponenten, die hygienische Beschaffenheit (Keimzahl), die Anzahl der Untersuchungen und die Verfahren die erlaubt sind um diese gegebenen Grenzwerte einzuhalten. Das Ziel der TrinkwV ist laut §1 “die menschliche Gesundheit vor den nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunreinigung von Wasser ergeben, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist, durch Gewährleistung seiner Genusstauglichkeit und Reinheit nach Maßgabe der folgenden Vorschriften zu schützen.”.
Die Bezeichnung "für den menschlichen Gebrauch” bezieht sich nicht nur auf den Konsum sondern auch auf den häuslichen Gebrauch, also Körperpflege und Reinigung von Gegenständen die mit Lebensmitteln in Berührung kommen.
In §2 ist der Anwendungsbereich der Verordnung genannt, wobei Mineral- und Heilwasser explizit ausgenommen werden, da für diese Wasserarten andere Verordnungen gelten. (TrinkwV, 2001)


Heilwasser[Bearbeiten]

Heilwasser ist prinzipiell ein natürliches Mineralwasser, aber es fällt unter das Arzneimittelgesetz und braucht dementsprechend auch eine Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Dieses Institut untersteht dem Bundesministerium für Gesundheit. Die Abfüllung von Heilwasser ist daher aufwändiger und kostenintensiver. Ein Heilwasser muss nachweisbare, gesundheitsfördernde oder heilende Wirkungen haben. Sie können, je nachdem welchem Zweck sie dienen in unterschiedliche Klassen eingeteilt werden. Da wären z.B. verdauungsfördernde Wirkung, blutdrucknormalisierende Wirkung, Verhinderung von Nierensteinen, sowie die unterstützende Wirkung bei chronischen Krankheiten. Die Wirkungen sowie eventuell auftretende Nebenwirkungen und Trinkempfehlungen müssen auf dem Etikett der Flasche angegeben werden.


Zulassung[Bearbeiten]

Naturliches Mineralwasser[Bearbeiten]

Diese Wasserart zeichnet sich durch seinen hohen Mineralgehalt aus und wird nur in Fertigpackungen an den Verbraucher abgegeben. Der Begriff “Natürliches Mineralwasser” ist die Verkehrsbezeichnug. “Natürlich” zum einen deshalb, weil es ein Naturprodukt ist, das nur sehr wenige Veränderungen erfahren darf und zum anderen deshalb, weil es früher kurzzeitig auch künstliches Mineralwasser gab.
Der besseren Lesbarkeit zu liebe wird hier teilweise auf die Vorsilbe “natürlich” verzichtet.======

Entstehung[Bearbeiten]

Wie oben bereits erwähnt sind Mineralwasserquellen immer unterirdisch und werden von versickerndem Grundwasser gespeist. Auf seinem teilweise Jahrhunderte langem Weg durch die Gesteinsschichten löst es viele Nährstoffe und sorgt so für regionale Unterschiede, die sehr vielseitig sind: So entsteht im Westen Deutschlands durch die großen Schieferlagen ein eher mildes Mineralwasser, vulkanische Gebiete wie die Eifel reichern das Wasser mit Mineralstoffen und Kohlensäure an. Im nordischen Tiefland entsteht Mineralwasser mit hohem Eisen- und Sulfatanteil und aus dem Nordosten kommt Wasser mit einer eher herben Note.
Mineralwasserquellen liegen bis zu 800 Meter tief unter der Erde und werden technisch erschlossen. Meistens liegen sie unter dem Grundwasser und einer wasserundurchlässigen Gesteinsschicht. Bei der Bohrung muss darauf geachtet werden, dass die Bohrlöcher gut abgedichtet sind und kein Grundwasser in die Mineralwasserquelle gelangen kann. Je nach Kohlensäuregehalt “sprudelt” das Wasser von allein nach oben oder es wird über Pumpen nach oben gefördert. Je nach Größe der Quelle ist das Fördervermögen unterschiedlich, wirtschaftlich interessant sind aber nur Quellen die mindestens 2000 L Wasser / Stunde fördern.

Um eine Mineralquelle zu erschließen und das Wasser dieser Quelle als natürliches Mineralwasser zu verkaufen benötigt man eine amtliche Anerkennung. Um diese zu erhalten werden ca. 200 Untersuchungen in einem staatlich zugelassenen Institut durchgeführt. Einerseits dient dies der Feststellung des Mineraliengehalts andererseits werden Fremdkomponenten oder doch evtl auftretende Verunreinigungen erfasst. Natürlich müssen die Untersuchungen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um so die konstante Qualität des Mineralwassers zu gewährleisten.
Vor 1980 wurde ein Mineralwasser über den Gehalt an Mineralien definiert. Ab 1 g Mineralstoffen pro Liter galt ein Wasser als Mineralwasser. Nach Vereinheitlichung innerhalb der EU war diese Definition nicht mehr möglich, da nicht alle EU-Länder so gute Wasserqualitäten aufweisen wie z.B. Deutschland.

Rechtliche Grundlagen[Bearbeiten]

Natürliches Mineralwasser fällt unter die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTV). Diese regelt sehr detailliert erlaubte Verarbeitungsverfahren, die Untersuchungsparameter und deren Häufigkeit, Mineralgehälter bei besonderen Auslobungen und die Art und Weise des Inverkehrbringens. So darf Mineralwasser nur am Ort der Quelle in die für den Verbraucher bestimmten Verpackungen abgefüllt werden. Ein Transport in Containern oder Ausschank uber einen Zapfhahn ist, als Schutz vor Verfälschungen nicht gestattet.
Im Gegensatz zu Trinkwasser, bei dem eine chemische Reinigung erlaubt und teilweise notwendig ist, darf Mineralwasser nur sehr wenigen Verfahren unterworfen werden. Eisen-, Schwefel- und Manganverbindungen dürfen wie beim Trinkwasser durch Belüften entfernt werden. Des Weiteren ist ein vollständiger Entzug und ein Wiederzuführen der Kohlensäure erlaubt. Ein Zusatz von Chemikalien ist absolut untersagt, selbst ein Zusatz von Sauerstoff ist nicht erlaubt. Der scheinbare Widerspruch dieser Aussage ist leicht erklärt. Der Gesetzgeber geht von der Zweckgebundenheit der Maßnahme aus: Die Belüftung dient dem Zweck unerwünschte Stoffe, die den Verbraucher stören würden zu entfernen. Der enthaltene Eisengehalt stellt zwar kein Gesundheitsrisiko dar, doch durch Kontakt mit Luftsauerstoff würde es ausgefällt werden und unschöne rostbraune Flocken bilden.
Die direkte Zugabe von Sauerstoff kann aber auch kommerziellen Zwecken dienen. So bewirbt der Hersteller eines Tafelwassers sein Produkt als “Powerstoff mit Sauerstoff”. Diese Deklaration ist auf natürlichem Mineralwasser undenkbar, da es eine Wirkung indiziert die nicht bestätigt ist. Die Löslichkeit von Sauerstoff in Wasser ist sehr begrenzt und der Mensch nimmt deutlich mehr Sauerstoff über die Lunge auf, sodass eine Versorgung über Wasser unnötig ist.
Gänzlich unzulässig sind alle Manipulationen am Keimgehalt. Jedes Mineralwasser enthält Keime, deren Existenz aber nicht weiter gefährlich ist. Nur bei falscher Lagerung (zu hell, zu warm, zu lange) kann es zu, für den Verbraucher gefährlichen Keimzahlerhöhungen, kommen.

Deklaration[Bearbeiten]

Hier kommt demnächst noch ein Musteretikett, bis dahin müsst ihr auf der eigenen Sprudelflasche vergleichen.

Diese Angaben sind auf einem Etikett notwendig:

1) Quellenname
2) Quellort
3) Verkehrsbezeichnung
4) Kohlensäuredeklaration und Behandlungsarten
5) Auszugsweise Mengenangaben der Inhaltsstoffev 6) Angabe des amtlichen Instituts, welches die Untersuchung des Wasser durchführt, samt Datum der Analyse
7) MHD



Wobei hier noch einige allgemeine Anmerkungen gemacht werden sollten:

Wird ein Mineralwasser "enteisent", heißt das nur, dass dem Wasser aus o.g. Gründen Eisen entzogen wurde und nicht wie der Verbraucher häufig meint, dass das Wasser dem Körper Eisen entzieht.
Jedem Abfüllbetrieb ist freigestellt, welche Analysenergebnisse er auf die Flasche druckt, das heißt nicht, das nur die angegeben Komponenten auch analysiert wurden.
Da ein Mineralwasser eine amtliche Anerkennung braucht, muss es auch von einem Institut analysiert werden. Die Datumsangabe auf den meisten Mineralwässern liegt ziemlich lange zurück (teilweise bis in die 90er), auch das heißt nicht, dass das Wasser seither nicht mehr untersucht wurde. Diese Tatsache bezieht sich auf die Konstanz der Zusammensetzung der Quellen. Die Etiketten werden meist erst geändert, wenn sich die Zusammensetzung ändert.
Auch zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sei noch eine Bemerkung erlaubt: Das Datum wird generell auf 2 Jahre nach Abfüllung angesetzt, da der Gesetzgeber ein Mindesthaltbarkeitsdatum vorschreibt. Bei richtiger Lagerung, sprich dunkel und kühl, sind Mineralwässer aufgrund ihrer Reinheit wesentlich länger haltbar.

Manche Bezeichnungen dürfen erst auf dem Etikett stehen, wenn das Mineralwasser bestimmte Kriterien erfüllt.


Bezeichnung Bedingungen
Mit sehr geringem Mineralgehalt Mineralstoffgehalt 50 mg / L
Mit geringem Mineralgehalt Mineralstoffgehalt 500 mg / L
Mit hohem Mineralgehalt Mineralstoffgehalt > 1500 mg / L
Natürliches kohlensäurehaltiges

Mineralwasser

enthält die gleiche Menge eigener

Quellkohlensäure in der Flasche wie am Quellaustritt

Natürliches Mineralwasser mit

eigener Quellkohlensäure versetzt

enthält mehr Kohlensäure als am Quellaustritt

zugesetzte Kohlensäure muss aber aus der
gleichen Quelle stammen

Säuerling Mineralwasser mit mehr als 250 mg natürl.

Kohlensäure / L an der Quelle - es darf auch
noch mehr zugesetzt werden
Heilwasser: mehr als 1 g nat.
Kohlensäure / L an der Quelle

Sprudel a) Säuerling, der unter natürlichem

Kohlensäuredruck hervorsprudelt
b) Mineralwasser das unter
CO2 -Zusatz abgefüllt wurde

geeignet für natriumarme Ernährung < 20 mg / L
natriumhaltig > 200 mg Na+ / L
calciumhaltig > 150 mg Ca2+ / L
sulfathaltig > 200 mg SO42- / L
bicarbonathaltig > 600 mg HCO3- / L
eisenhaltig > 1 mg Fe / L


Tafelwasser[Bearbeiten]

Tafelwasser ist die Verkehrsbezeichnung für abgepacktes Trinkwasser. Es kann keiner Quelle eindeutig zugeordnet werden. Selbst wenn es nur einer Mineralwasserquelle entspringen würde, dürfte der Hersteller keine Quelle namentlich angeben. Der Gesetzgeber befürchtet hier eine Verwechslungsgefahr mit natürlichem Mineralwasser. Bei dieser Wasserart dürfen auch weitere Zusätze, wie Meerwasser, Natursole oder einfach Natriumchlorid hinzugegeben werden. Eine Zugabe an Meerwasser muss nicht mehr explizit auf der Flasche deklariert werden. Für Tafelwasser gibt es also deutlich weniger strenge Vorgaben. Es darf sozusagen verfälscht und verschnitten werden und auch offen in einem Glas an den Verbraucher abgegeben werden bzw. in Containern transportiert werden.
Ab einem Gehalt von min. 570 mg Natriumhydrogencarbonat / L und zusätzlich freiem Kohlendioxid, kommt Tafelwasser als Sodawasser in den Handel. Das bekannteste Tafelwasser ist wohl Bonaqua aus dem Hause Coca Cola. Exotischere Vermarktungen wären z.B. Active O2 , also mit Sauerstoff angereichertes Wasser oder sog. Mondscheinwasser. Dabei handelt es sich um Wasser welches bei Mondschein, vorzugsweise Vollmond abgefüllt wurde und sich wohl eher an die esoterisch gerichtete Bevölkerung richtet. Denn ob das Wasser gesünder ist nur weil es bei Vollmond abgefüllt wurde lässt sich wissenschaftlich weder beweisen noch abstreiten.


Literatur[Bearbeiten]

Belitz, H.-D.; Grosch, W.; Schieberle,P.; 2008
Lehrbuch der Lebensmittelchemie
Springer, Berlin; 6. Auflage

Gundermann,G.; Gutenbrunner, C., 2002
Prophylaxe und Therapie mit natürlichem Heilwasser
Beratungsleitfaden für Fachkreise der Medizin und Ernährungswissenschaftler
Deutsche Heilbrunnen im Verband Deutscher Mineralbrunnen e.V., Bonn

Informationszentrale Deutsches Mineralwasser, 2003
Mineralwasser - Wissenswertes für die Ernährugnsberatung

Informationszentrale Deutsches Mineralwasser, 2010
Deutsches Mineralwasser - Vielfältig wie das Leben

Lüpke, M. (2008)
Alles über Mineral- und Heilwasser
Books On Demand, Norderstedt; 1.Auflage

UBA, 2008
Trink was - Trinkwasser aus dem Hahn