Shigellen

Aus Chemie-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zurück zur Übersicht

Die Shigellen sind Auslöser der Bakterienruhr auch Dysenterie genannt, sowie Diarrhöe mit Blut im Stuhl. Nur beim Menschen führt diese Krankheit zum Tod.
Eine Bakterienruhr wird nicht nur von Shigellen ausgelöst, auch E.coli-Stämme sind dafür bekannt. Dies sowie die Serologischen Befunde lassen auf eine enge Verwandschaft mit E.coli schließen.
Shigellen können in 4 Arten unterteilt werden:

Art S.dysenteriae S.flexneri S.boydil S.sonnei
Serogruppe A B C D
Anzahl der Serotypen 13 6 18 serologisch einheitlich
Dominanz in EU nur außerhalb der EU häufiger seltener häufiger

Doch im Gegensatz zu den Salmonellen und den E.coli sind die Shigellen unbeweglich. Und im Gegensatz zu E.coli mögen sie Laktose nicht sehr gern und verstoffwechseln sie nur langsam oder gar nicht. Evtl. greifen sie aus diesem Grund nur den Kolon an und nicht den Dünndarm. Dies ist auch leicht möglich, da sie die Magensäure leicht überleben können und so unbeschadet in den Darm gelangen.
Als Erregerreservoir dient der Mensch, auch hier kann es wieder zur Dauerausscheidung kommen. Übertragen werden können die Keime ebenfalls wie viele andere durch den direkten Kontakt oder durch indirekten Kontakt über Lebensmittel. Und wie immer machen schlechte Hygienebedingungen alles schlimmer.
Mit einer Anzahl von 100 - 200 Mikroorganismen ist die Infektionsrate sehr gering.
Nach Aufnahme kommt es zur Invasion in der Dickdarmschleimhaut, wo sich die Keime vermehren und lokale Infektionen verursachen. bei leichten verletzung kommt es zu Entzündungen. Nach einer Inkubationszeit von 2 - 7 Tagen folgen häufig Durchfälle.
Bei schwerem Krankheitsverlauf kommt es u.a. zur Geschwürbildung mit starkem wässrigen Durchfall und krampfartigen Entleerungen.
Weitere Komplikationen sind der Flüssigkeitsverlust, damit verbunden Kreislaufkollaps, Darmblutungen und Peritonitis (= Entzündung des Bauchfells). Es kann auch zu toxischen Auswirkungen durch Endotoxin der Zellwand und Exotoxin (Shigatoxin) im ZNS, Herz und Kreislauf kommen. Shigatoxin wird v.a. durch s.dysenteriae aber auch von E.coli und V.cholera gebildet. Bei Shigatoxin handelt es sich um ein AB-Toxin, welches nicht ausgeschieden wird sondern bei der Zelllyse freigesetzt wird. Trotz großer Unterschiede in der Primärstruktur bilden Choleratoxin und Shigatoxin sehr ähnliche Kristallstrukturen auf.
Shigatoxin bindet erst an der Wirtszelle und wird dann durch Endocytose aufgenommen. Anschließend wird die A-Einheit von der B-Einheit getrennt und dadurch aktiviert. Die Aktivität beinhaltet die Unterdrückung der Proteinsynthese durch Abspaltung einer Adenosinbase. Dies verhindert die Anbindung der t-RNA an das Ribosom und somit die Kettenverlängerung.
Bei Komplikationen kommt es durch Shigatoxin zum Hämolytischen-Urämischen-Syndroms (HUS). Durch den Angriff des Toxins werden Blutgefäße der Niere beschädigt und es kommt zu Nierenversagen.
Bei differenzierten, polarisierten Zelllinien adhärieren die Keime nicht, somit kommt es nicht zur Invasion.
Die M-Zellen im Peyer'schen Plaque sind jedoch phagocytisch und nehmen die Shigellen auf und präsentieren sie auf der anderen Seite den Makrophagen. Diese übernehmen die Shigellen, welche jedoch "ausbrechen" können. Nun binden sie an Integrine der Mucosazellen.