Qualitätsmanagement

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QM - Qualitätsmanagement[Bearbeiten]

Begriffsdefinitionen[Bearbeiten]

  • Qualität: Beschaffenheit, Güte oder Wert eines Objekts

Grad, in wie weit die Anforderungen erfüllt werden (lt. ISO 9000:2008) Die Qualität ist ein Maß für die Erfüllung der Ansprüche (messbare Merkmale: Größe, Gewicht, Materialspezifikationen)

  • Management: ein Unternehmen/eine Unternehmung leiten oder führen
  • Qualitätsmanagement: bezeichnet alle organisierten Maßnahmen, die eine Verbesserung der Produktion zufolge haben.

Zertifizierung[Bearbeiten]

Betriebe können sich zertifizieren lassen. Eine Zertifizierung ist der Nachweis für eine gelenkte Unternehmensführung. Es ist den Betrieben eigentlich freigestellt, ob sie sich zertifizieren lassen oder nicht. Doch der Einzelhandel verlangt heutzutage eigentlich immer ein Zertifikat, als Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung. (Welche unterschiedlichen Zertifikate heute so gängig sind kommt weiter unten)

Entwicklung der LM-Überwachung[Bearbeiten]

Historisch gesehen zäumte die LM-Überwachung in Betrieben das Pferd regelrecht von hinten auf:

Ca. 1900 wurde eigentlich nur das Endprodukt einer Kontrolle unterzogen. In den 30er Jahren sah man dann ein, das eine Prozesskontrolle wichtig ist um die Verluste in der Produktion zu senken. Seit den 60er Jahren wird auch der Wareneingang genaustens überwacht. Die Betriebe sollten vorausschauend produzieren und die Produktion und die Ressourcen auch im Nachhinein vollstens im Blick haben (Rückverfolgbarkeit). In den LM-Betrieben wurden Systeme zur Eigenkontrolle entwickelt, um die Gefahren und Risiken die von Lebensmittel ausgehen zu minimieren oder beherrschbar zu machen.


Umfang des QM[Bearbeiten]

  • Zuweisung eines Verantwortlichen und die Verteilung von Aufgaben
  • Klare Anweisungen
  • Daten- und Dokumentlenkung
  • Prozessmanagement und -lenkung
  • Personal- und Ressourcreneinsatz
  • Kundenorientierte Haltung
  • Fehlervermeidungsstrategien
  • Streben nach ständiger Verbesserung
  • erneute Zertifizierung (Audit) 1x jährlich durch ein akkreditiertes Unternehmen


QM-Handbuch[Bearbeiten]

Das QM-Handbuch ist eine Sammlung sämtlicher Maßnahmen und Regeln des Qualitätsmanagements. Es dient der fachgerechten und allumfassenden Umsetzung des HACCP-Konzepts. Es sollte folgende Punkte enthalten:

Unternehmensverantwortung
Es sollte mit der Unternehmenspolitik, also den Leitlinien des Unternehmens losgehen. Sie sollte auf min. diese 3 Themen eingehen: Verantwortung gegenüber Unternehmen, Mitarbeitern und Kunden.
Es sollte also im Einzelnen auf folgende Punkte eingegangen werden: Ethik und Personalverantwortung, Standortwahl, Umweltverantwortung, Nachhaltigkeit (inkl. Produktsicherheit, -qualität, -legalität) und Kundenorientierung. Die Leitlinien und Ziele sollten für die Mitarbeiter jederzeit zugänglich sein (z.B. Intranet oder QM-Handbuch).
Anhand dieser Leitlinien können konkrete Ziele für die einzelnen Abteilungen ausgearbeitet werden. Diese sollten einmal jährlich überprüft werden, um eine kontinuierliche Verbesserung zu erreichen. (z.B. durch Mitarbeitergespräche)
Es sollte weiterhin ein Organigramm mit den Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten erstellt werden. Die Liste wird noch um Arbeitsabläufe (Verfahrensanweisungen, Arbeitsanweisungen und Prüfprotokolle) ergänzt.


Personalhygiene
Auch für die Personalhygiene müssen je nach Betriebsgröße mehr oder weniger viele dokumentierte Regeln festgelegt werden. Es müssen folgende Punkte in Betracht gezogen werden: Schutz- bzw. Arbeitskleidung, Handreinigung und Desinfektion, Essen, Trinken, Rauchen, Verletzungen der Haut, Fingernägel, Schmuck und persönliche Gegenstände, sowie Haare und Bärte. z.B. Ist ein Bartschutz wirklich sinnvoll? Wenn einer verlangt wird, muss dann auch ein 3-Tagebart durch einen Bartschutz bedeckt sein? Man benötigt klare Anweisungen. Meistens müssen die Hygieneregeln vom Mitarbeiter unterzeichnet werden. Es sollte auch einmal im Jahr eine Hygieneschulung erfolgen. Es mag merkwürdig erscheinen, doch so einfache Sachen wie: Hände waschen nach dem WC-Besuch scheinen sehr schwer umsetzbar zu sein. Es muss immer wieder regelmässig wiederholt werden, was erlaubt ist.


Spezifikationen
Es sollten für sämtliche Ressourcen und Produkte Spezifikationen erstellt werden:
1) Rohstoffspezifikationen: Hier sollten alle geforderten Eigenschaften der Rohstoffe aufgelistet sein.
Bsp: Spezifikation für Salatköpfe:

  • Größe der Salatköpfe
  • Anzahl der Schnecken
  • Anzahl der welken Blätter
  • Höchstkonzentrationen von Pestiziden
  • Allergene (ganz wichtig!)
  • Haltbarkeit (ermittelt durch Lagerungsversuche)

usw.

Diese Spezifikationen sollten beim Wareneingang stichprobenartig überprüft werden. Es ist eigentlich egal ob 2 Paletten oder 10 Paletten von 20 angelieferten Paletten überprüft werden. Dies wird anhand der Erfahrung festgelegt. Es ist nur wichtig, dass das was schriftlich festgelegt ist auch praktisch umgesetzt wird.
In der Regel stellt der Wareneingang einen CP dar, d.h. es ist ein Punkt im Prozess der überwacht werden muss, es gehen aber keine Gefahren vom Produkt aus. Doch jeder Schritt bzw. Reaktion muss schriftlich festgelegt werden.
Sollten sich also bei der Wareneingangskontrolle mehr Schnecken als spezifiziert auf den Köpfen aufhalten, bedeutet das mehr Aufwand beim Putzen des Salates. Dies kann evtl. über einen Preisnachlass mit dem Lieferanten geregelt werden, der Salat muss aber nicht zwangsläufig zurückgeschickt werden.

2) Produktspezifation: Eigentlich genau das gleiche wie eine Rohstoffspezi. Nur das hier die Produkteigenschaften spezifiziert sind. Als Beispiel: Ein Unternehmen produziert unterschiedliche Fruchtjoghurts: Immer der gleiche Joghurt-Grundmix und 4 unterschiedliche Früchtzubereitungen (Erdbeer, Himbeer, Ananas und Pfirsich-Maracuja). Also muss für jede Fruchtzubereitung eine Rohstoffspezifikation vorhanden sein und für jeden Fruchtjoghurt muss eine separate Produktspezifikation zur Verfügung stehen. Die folgenden Punkte sollten enthalten sein:

  • Verkehrsbezeichnung, Artikelbezeichnung
  • Aussehen, Geschmack
  • Lagerbedingungen (kühlpflichtig)
  • Haltbarkeit (ermittelt durch Lagerungsversuche)
  • Allergene

usw.


3) Verpackungsspezifikation: Auch für die sog. primären Verpackungen, also Verpackungen die im direkten Kontakt mit dem Lebensmittel stehen, müssen Spezifikationen vorliegen, die beweisen, das die Verpackung für das Lebensmittel geeignet sind. Bei Cornflakes ist die Pappverpackung, die sekundäre Verpackung und der Plastiksack wäre die primäre Verpackung.
Die Spezi sollte u.a. folgende Punkte enthalten:

  • Materialbezeichnung
  • Verwendete Farben
  • Lagerstabilität


CPs
Folgende Parameter sollten überprüft werden:

  • Wareneingang: Menge, optische Prüfung (Beschädigungen, Schädlinge, etc.), Mindesthaltbarkeitsdatum (Restlaufzeit), Produkttemperaturen
  • Lagerung: Reinigungsstatus, Kühltemperaturen/Tiefkühltemperaturen (der Räumlichkeiten), First-in-first-out Prinzip (also erst das Alte verwenden, dann die neue Lieferung)
  • Transport: Reinigungsstatus, Kühltemperaturen/Tiefkühltemperaturen (der Laderäume vor dem Beladen, aber auch während der Tour)

Natürlich benötigen auch die Kontrollpunkte eine peinlich genaue Dokumentation.


Rückverfolgbarkeit:
Nach Art. 18 BasisVO ist eine Rückverfolgbarkeit einen Schritt vor (Richtung Kunde) und einen Schritt zurück (Richtung Lieferant) zu etablieren. Der Unternehmer muss genau dokumentrieren welcher Rohstoff (Wareneingang, Charge) in welchem Endprodukt verarbeitet wurde und an welche Kunden dieses Produkt dann geliefert wurde.
Das System der Rückverfolgbarkeit sollte min. einmal im Jahr überprüft werden. Dies erleichtert im Ernstfall die Arbeit. Ein Ernstfall kann ein Rückruf sein, d.h. das das Produkt den Endverbraucher möglicherweise schon erreicht hat, es kann aber auch eine Rücknahme sein, d.h. das Produkt gelangte bisher nur in den Großhandel, aber noch nicht zum Endverbraucher. Is klar nee: Je weiter weg des Produkt is, desto lauter muss man rufen.^^


Krisenmanagement:
Jeder Betrieb sollte ein funktionierendes Krisenmanagement etabliert haben. Den eine Krise kann den LM-Betrieb auch ohne eigenes Verschulden treffen. (Vgl. EHEC 2011, die armen Salatbetriebe, die den verseuchten Sprossen zum Opfer gefallen sind)
Eine Krise stellte eine existentielle Bedrohung für den Betrieb dar. Es kann sich entweder um eine innere Krise (Fehlerhafte Rohstoffe sind durch die Wareneingangskontrolle geschlüpft) oder um eine externe Krise (Marktprozesse/Skandale) handeln. Es ist vorteilhaft, wenn sich auch ein Jurist im Stab des Krisenmanagements befindet. Es sollte auch ein Sprecher festgelegt werden, der mit der Öffentlichkeit in Kontakt tritt. Dadurch wird eine klare Linie gewährleistet. Sämtliche Schritte sollten wieder in geeigneter Weise dokumentiert werden.

Schulungs- und Kalibrierpläne:
Auch die Schulungspläne müssen erstellt werden und die Durchführung muss wie immer dokumentiert werden. Man kann es nicht oft genug wiederholen! Der Schulungsplan muss mindestens die Hygieneschulung und die Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz und die Schulungsintervalle beinhalten. Als Durchführungsdokumentation seien z.B. eine Teilnehmerliste und eine Zusammenfassung genannt.
Der Kalibrierplan legt die Durchführung der Überprüfung der Funktionsfähigkeit der Prüfmittel fest. Übliche Prüfmittel sind: Waagen (bei Fertigpackungen müssen diese Waagen geeicht sein), Thermometer, Sauerstoffmessgeräte, pH-Meter, etc.

Probenplan:
Natürlich müssen auch die produzierten Güter eine Überprüfung über sich ergehen lassen. Es müssen geeignete Probenahmepläne erstellt, eingehalten und dokumentiert werden. Auch hier können so viele Punkte wie denkbar festgelegt werden. Sobald sie festgelegt sind, muss die Prüfung aber auch durchgeführt werden. Man wird sich bemühen, die Probenahme auf so wenige Proben wie nötig zu beschränken.
Je nach Betriebsgröße werden im Analysenplan zu analysierende Parameter (physikalische, chemische und mikrobiologische) festgelegt, bzw. Analysen an unabhängige Labore abgegeben werden.


ES GILT IMMER UND ÜBERALL UND ÜBERHAUPT: WAS NICHT AUFGESCHRIEBEN WURDE, WURDE NICHT GEMACHT!!!

HACCP[Bearbeiten]

Das Hazard Analysis Critical Control Point-Konzept wurde im Art 5 der VO(EG) 852/2004 rechtlich reguliert. Es beinhaltet die Verpflichtung der LM-Unternehmer ein Verfahren, das dem HACCP entspricht, zu etablieren. Es wurde als Instrument zur Beherrschung lebensmittelinduzierter Krankheiten in Zusammenarbeit mit der NASA in den 60er Jahren entwickelt, um die Astronauten z.B. vor einer mikrobiellbedingten Lebensmittelvergiftung zu schützen.

1973 wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute existieren mehrere Interpretationen des HACCP-Konzept. Die EU-Verordnungsgeber haben sich am HACCP-Konzept des Codex Alimentarius orientiert.

Ein CCP ist ein kritischer Kontrollpunkt. Von diesem Punkt kann also eine Gesundheitsgefahr für den Verbraucher entstehen, z.B. durch Glas, Metall oder Kontaminanten. Gibt es einen Punkt im Prozess, der zwar wichtig für die Qualität des Produktes ist, aber dem Verbraucher nicht schaden kann, kann man ihn zu einem CP, also einem Kontrollpunkt, machen. Als Beispiel sei hier der Wareneingang genannt: Es ist nicht unmittelbar gefährlich wenn der gelieferte Kopfsalat 7 braune äußere Blätter, anstatt der erlaubten, spezifizierten 3 braunen Blättern hat. Dies bedeutet "nur" mehr Abfall und weniger Produkt. Und somit für den Hersteller größere Produktionskosten.

Wurde ein Prozessschritt als CCP definiert, müssen explizierte Grenzwerte festgelegt und eine permanente Überwachung dieser Werte gewährleistet werden und diese auch unbedingt eingehalten werden. Auf eine Grenzwertüberschreitung muss eine Reaktion just-in-time erfolgen. (z.B. Temperaturfühler zeigt zu niedrige Erhitzungstemperatur und das Produkt wird automatisch und zuverlässig in Umlauf gepumpt, sodass kein unerhitztes Produkt zur Abfüllung gelangt. Dies ist z.B. bei Milch wichtig. Pathogene Keime benötigen eine Erhitzung auf 75°C für 15 sec um abgetötet zu werden. Wird dieses Temp/Zeit-Schema nicht eingehalten kann daraus eine Gefahr für den Verbraucher entstehen.)

5 Vorbereitende Schritte[Bearbeiten]

1) HACCP-Team gründen (Am besten interdisziplinäres Team zusammengesetzt aus Mitarbeitern folgender Bereiche: Unternehmensleitung, Qualimanagement, Einkauf, Produktion und Logistik)
2) Produkt charakterisieren (I.d.R. werden sog. Spezfikationen erstellt)
3) Verwendungszweck festlegen
4) Fließschema des Prozesses erstellen
5) Fließschema vor Ort überprüfen

7 Grundsätze des HACCPS[Bearbeiten]

1) Potentielle Gefahren auflisten und Maßnahmen zur Behebung festlegen
2) CCPs ermitteln (Entscheidungsbaum; chemisch, physikalisch oder mikroiologisch)
3) Kritische Grenzwerte für die CCPs festlegen
4) Überwachungssysteme für CCPs einrichten
5) Korrekturmaßnahmen festlegen
6) Verifizierungsverfahren einrichten
7) System zur Datenerfassung und Dokumentation einrichten (z.B. SAP-gestütztes Computersystem)

Zur Nr. 6 noch eine Bemerkung: Es soll schon vorgekommen sein, dass ein LM-Betrieb zwar Pflaster mit einem Metallstreifen verwendet hat. Soweit nicht spektakulär. Einem Auditor fiel dies jedoch auf und er wollte sehen ob die Detektion im Metalldetektor funktioniert. Leider wurde im Pflasterwerk die Metallstreifen vergessen und niemand im LM-Betrieb bemerkte dies. So konnten die Metalldetektoren die Pflaster nicht erkennen und den Auditor nicht beeindrucken. Fazit: Der Teufel steckt im QM also immer immer immer im Detail.

Beispiel Milch[Bearbeiten]

1) Potentielle Gefahr: Salmonellen / Behebung des Problems: Erhitzung auf 75°C
2) CCP: Milcherhitzung
3) Kritischer Grenzwert: 75°C
4) Überwachungssystem: Temperaturfühler nach Erhitzer
5) Wird die Temperatur nicht erreicht, muss die Milch in Umlauf gepumpt werden um den Erhitzungszyklus erneut zu durchlaufen.
6) Misst der Temperaturfühler genau? Überprüfung! Prüfplan
7) Dokumentation der regelmässig abgelesenen Temperaturen in Tabellenform. Dokumentation der Überprüfung des Temperaturfühlers.

Normen[Bearbeiten]

Din EN ISO 9000[Bearbeiten]

Sie ist die Mutter der Qualitätsnormen. Sie wurde ursprünglich für die Automobilindustrie erarbeitet, ist heute aber aufgrund ihrer recht weiten Gestaltungsspielräume international von großer Bedeutung für Hersteller und Dienstleister. Ihre neutrale und weitgreifende Formulierung bietet allerdings auch viel Stoff für Diskussionen zwischen Betrieb und "Kontrolleur" was die Auslegung betrifft. Es sollen eine Optimierung und eine kontinuierliche Verbesserung angestrebt werden. Dies ist zum einen wirtschaftlich anderseits auch wirksam effektivitätssteigernd. Auch der Kundenzufriedenheit wird großes Gewicht begemessen.

ISO 22000[Bearbeiten]

Die seit 2005 existierende ISO 22000 hat mittlerweile wachsende Bedeutung für international operierende LM-Hersteller und LM-Vertreiber. Sie stellt eine weltweit einheitliche Anforderungsnorm für das HACCP-Konzept und die LM-Sicherheit dar. "Managementsysteme für die LM-Sicherheit - Anforderung an Organisation in der LM-Kette" Die ISO 22000 baut grundsätzlich auf der ISO 9000 auf, vereint aber auch alle anderen Kernelemente in einem Standard. Vereinfachung durch Bündelung nennt man sowas wohl. Sie ist nicht Standort gebunden und ist relativ klar formuliert.


QS-Prüfzeichen[Bearbeiten]

Dieses Prüfzeichen ist in Deutschland nur in einigen Branchen verbreitet (Fleisch, Obst, Gemüse). Es erstellt Anforderungen an die Produktqualität über die gesamte LM-Kette (Landwirtschaft, Futtermittelsektor, Verarbeitung und LM-Handel). Das QS-Prüfzeichen wurde im Zusammenhang mit der BSE-Krise 2001 initiiert. Es handelt sich hierbei um einen Produktstandard und nicht um einen Sicherheitsstandard. Es gibt aber auch einen Kritikpunkt: Dieser Standard überprüft im Wesentlichen nur die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen. Fragen nach der Nachhaltigkeit der Produktion, die Haltung der Tiere oder die Ethik des Betriebes (etc.) werden nicht im geringsten berücksichtig.

Öko VO[Bearbeiten]

Hierbei handelt es sich streng genommen um eine Rechtsnorm, die EG(VO) 834/2007. Doch auch sie stellt grundsätzliche Anforderungen an die LM-Beschaffenheit. Die Einhaltung der Öko VO wird einmal jährlich durch zugelassene Öko-Kontrollstellen überprüft. Da es in Deutschland einen wachsenden Markt für Bio- und Ökoprodukte gibt, ist diese Zertifizierung für immer mehr Betriebe interessant. Die VO ist zum Großteil an den ökologischen Landbau und an die Tierhaltung gerichtet. Sie regelt Bestimmungen zu Pflanzenschutz- oder Düngemitteln oder aber auch die Haltefläche und die Beschaffenheit der Futtermittel. Es werden auch klare Angaben zur Abgrenzung von nicht-bio-Produkten, zu den Zutaten und zur Etikettierung gemacht.

Die Prüfung sind punktuell aber flächendeckend. Wird von der VO abgewichen handelt es sich um Rechtsverstöße. Es herrscht eine hohe Analysendichte und auffällige Analysenergebnisse bzw. Höchstmengenüberschreitungen müssen der Kontrollstelle gemeldet werden.

ISO IEC 17025[Bearbeiten]

"Allg. Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien" Diese Norm ist in deutschen Laboratorien nahezu Standard. Sie ermöglicht einen weltweiten Vergleich und erhöhen die Akzeptanz der Analysenergebnisse (z.B. vor Gericht).

Ist ein Laboratorium akkreditiert, erfüllt es folgende Anforderungen:

  • Geeignetes Managementsystem
  • technische Kompetenz ist vorhanden
  • fachlich gültige Ergebnisse müssen ermittelt werden
  • zeitgemäße Betrieb
  • vergleichbare, reproduzierbare Ergebnisse

BRC Global Standards[Bearbeiten]

Der British Retail Consortium (1998) wurde in einem Wirtschaftsverband von britischen Einzelhandelsunternehmen entwickelt. Er ist für alle Eigenmarkenproduzenten, welche an britische Einzelhandelsunternehmen liefern, quasi verpflichtend. Der Fokus liegt stark auf die LM-Sicherheit. Ab januar 2012 soll er in der 6. Version erscheinen. Dieser Standard verwendet kein Puntebewertungssystem , sondern unterscheidet nach Bewertungsstufen (Grundstufe, höhere Stufe und "Empfehlung zu Good Practice"). Auch das Abweichen von Anforderungen wird nicht mit Punktabzug abgewertet sondern rein verbal bewertet (kritisch, schwerwiegend, geringfügig, als Empfehlung).

IFS[Bearbeiten]

Der International Food Standard ist ein Qualitätsstandard, der ursprünglich (1.Version 2003) zur Beurteilung von Eigenmarkenlieferanten genutzt wurde. Der IFS überprüft und zertifiziert Qualitätsmanagementsysteme, also Sicherung der LM-Sicherheit und der LM-Qualität bei der Produktion von LM. Logistik und Handel haben einen eigenen Standard. Da kommt nun auch schon eine Änderung: Ab Version 6 heißt IFS = International Featured Standards und dann gibts die Unterteilungen Food, Logistics oder Broker.

Ab Juli 2012 ist erscheint er in der Version 6.

Sinn[Bearbeiten]

  • Absicherung gegen Krisen in LM-Wirtschaft in Bezug auf Verbrauchersicherheit
  • Schutz vor Produktrückrufen, Vertrauensverlust und Geschäftseinbußen

Ziele[Bearbeiten]

  • Auditierung nicht mehr durch Handelsunternehmen, sondern durch akkreditierte Zertifizierungsstellen. Es wird ein einheitlicher Anforderungskatalog erstellt und ein Audit (Überprüfung vor Ort) durchgeführt.
  • 251 Anforderungen sind zu erfüllen. Wer 75 - 95 % der Anforderungen erfüllt erreicht das Basisniveau. Ab 95% hat man das höhere Niveau erreicht.

Bewertungen[Bearbeiten]

  • A: Volle Übereinstimmung 20 Punkte
  • B: Nahezu volle Übereinstimmung 15 Punkte
  • C: nur ein kleiner Teil der Anforderungen wurde umgesetzt 5 Punkte
  • D: Anforderungen wurden nicht umgesetzt 0 Punkte
  • Major = mächtig großer Fehler (sozusagen, z.B. Allergene oder Glas) 15% Abzug der Gesamtpunktzahl
  • 10 KO-Kriterien: Das Audit wird als nicht bestanden gewertet, wenn ein KO-Kriterium nur ein D erreicht hat.

251 Anforderungen[Bearbeiten]

Kap. 1: Unternehmensverantwortung (22 Anforderungen)
Kap. 2: QM-System (28 Anforderungen)
Kap. 3: Ressourcenmanagement (25 Anforderungen)
Kap. 4: Herstellungsprozess (136 Anforderungen)
Kap. 5: Messungen, Analysen, Verbesserungen (40 Anforderungen)

Neuerungen in Version 6[Bearbeiten]

  • Soll ab juli 2012 erscheinen (Naja fast: IFS - Food, er ist schon ab Januar erreichbar)
  • IFS heißt nun international featured standards. Da es diesen Standard mittlerweile nicht nur für Lebensmittel gibt, sondern auch für Brokering oder Logistik.
  • Bei einer D-Bewertung werden nun 20 Punkte vom Gesamtergebnis abgezogen.
  • Qualitätsanforderungen haben mehr Gewicht (Nährwertkennzeichnung, häufigere Prüfungen durch Auditor)
  • Food Defense (Schutz vor Terroristen)

Standortsicherung
Sicherheitsbewertung
Personal und Besucher (Zugangsbeschränkungen)
Externe Kontrollen
Eine der Folgen dieses neuen Elementes ist, dass die Lebensmittelbetriebe Betriebsbesichtungen nun noch ungerner zustimmen als es teilweise sowieso schon der Fall ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Vorlesungsfolien (Stand: Januar 2012)
  • Behrs; entnommen aus HACCP und betriebliche Eigenkontrollen - nach der VO(EG) Nr. 852/2004 über LM-Hygiene und der nationalen Durchführungs-Verordnung. Behr's Verlag - Neuauflage 2007