Mikroskopische Untersuchungen

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Hier soll ein grober Schlachtplan gegeben werden, wie man vorgeht/anfängt, wenn man eine unbekannte Gewürzmischung mit 5 oder 6 Komponenten untersuchen will.

Erste Schritte[Bearbeiten]

Die Nase[Bearbeiten]

Da die menschliche Nase entgegen allen Vorurteilen doch ziemlich gut ist, sollte sie den Anfang übernehmen. Also wird beim ersten Öffnen des Probenbehälters erstmal ordentlich geschnüffelt.

  • Vanille
  • Ingwer
  • Pfeffer

Diese riecht man meistens 10 Meilen gegen den Wind. Da ist die Nase nahezu unfehlbar. Zumindestens war es bei uns so, dass sich in 99% der Fälle das gerochene bewahrheitet hat.

Die Augen[Bearbeiten]

Als nächstes sollte man die Probe anschauen, erst mal mit dem bloßen Auge, anschließend mit dem Stereomikroskop.

Teilweise kann man Kristalle (Bsp: Salz und Zucker) sehen. Man erhält schon mal einen groben Überblick und kann sich etwas sortieren.

Grüne oder rote Bestandteile? Sind pulvrige Bestandteile (evtl. Stärke) in der Probe? Kann man einzelne Komponenten erkennen?

Das Stereomikroskop[Bearbeiten]

Das Stereomikroskop ist prädestiniert um einige Komponenten sicher zu bestimmen:

  • Vanille (sieht aus wie kleine schwarzglänzende Steinchen)
  • Salz (sieht aus wie kleine viereckige Eiswürfel), Zucker (sieht aus wie kleine weiße Kristalle, nur sind sie nicht so schön quadratisch wie Salz)
  • Man kann, je nach Schnitt, erkennen, ob es sich bei den grünen Komponenten um Monokotyle (Blattnerven parallel) oder Dikotyle (Blattnerven verzweigt) handelt. Das grenzt die Auswahl schon etwas ein.


Mikroskopie[Bearbeiten]

So nun gehts ans Mikroskopieren:

  • Eindeutig identifizierbare Komponenten (grüne Blätter, rote Stückchen etc.) mit einer Pinzette rauspicken. Das erleichtert die Analyse, da einem vor allem als Anfänger zu viele Komponenten zu leicht verwirren oder das Identifizieren erschweren.
  • Von pulvrigen Substanzen wird eine kleine Spatelspitze voll auf einen Objektträger gegeben. Nie zu viel Probe auftragen! Lieber ein weiteres Präparat anfertigen, bevor man nur eines macht und man dann nichts mehr erkennen kann.

Glycerinpräparat[Bearbeiten]

Das Problem an Kristallen ist, dass sie sich auflösen, wenn sie in wässriger Lösung mikroskopiert werden. Man aollte daher, v.a. wenn kein Stereomikroskop zur Verfügung steht ein Glycerinpräparat machen. Da lösen sich die Kristalle nicht. Ob man dieses Präparat am Anfang oder am Ende macht ist eigentlich egal.

Wasserpräparat[Bearbeiten]

Hier wird einfach etwas Probe auf einen Objektträger gegeben und mit einem Tropfen Wasser versetzt. Objektgläschen drauf. Ankucken. Auch wenn man die Probe gut vermischt hat von 2 oder 3 Stellen etwas Probe entnehmen. Da kommen manchmal erstaunlichsten Sachen bei raus ;-)
Komponenten wie Stärke können mithilfe von Iod nachgewiesen werden. (Es ist auch schön, dass Kartoffelstärke die "Streifen" verliert, wenn man ein Glycerinpräparat anfertigt.)

Chloralhydratpräparat[Bearbeiten]

Um die Zellwände etwas aufzuhellen und quellen zu lassen wird ein Tropfen Chloralhydrat (60%ig) auf die Probe gegeben. Anschließend wird der Objektträger kurz erhitzt (unter dem Abzug!), bis das Chloralhydrat ein oder zweimal aufkocht.
Ein Auskristallisieren kann durch Bepinselung der Ränder mit Nagellack verhindert werden. Auch ein Glycerinrand verhindert das Auskristallisieren des Chloralhydrats.
Das Chloralhydratpräparat ist in der Regel deutlicher, als ein Wasserpräparat.

  • Mikroskopiert man Safran und macht ein Chloralhydratpräparat, färbt sich fast alles gelb-rot, sobald das Chloralhydrat die Probe berührt.

Eindeutige Strukturen[Bearbeiten]

Es gibt einige Komponenten, die eindeutige Identifizierungsstrukturen aufweisen. Hier einige Beispiele

Tomate[Bearbeiten]

Tomaten erkennt man vor allen an den folgenden 2 Strukturen:
Die gelb-braunen Bienenwaben und die Seeigel. Diese 2 Bilder sind einfach so typisch tomatig, tomatiger gehts nicht mehr.

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Unsicherheiten[Bearbeiten]

Es gibt Sachen die allerdings recht schwierig zu unterscheiden sind. Bockshornklee sieht fast so aus wie weißer Senf. Curcuma hat keine wirklich eindeutigen Erkennungsmerkmale. Und so weiter und so weiter.
Hierfür benötigt man auf jeden Fall immer Referenzmaterial. Das erleichtert einem die Arbeit ohne Ende.

Von der Uni Karlsruhe wurde auch viele mikroskopische Bilder online gestellt, die man zur Identifizierung heranziehen kann. Hier einige weitere Infos. So und nun viel Erfolg beim Identifizieren von Gewürzmischungen!