Listeria monocytogenes

Aus Chemie-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zurück zur Übersicht

Listerien sind relativ kurze Stäbchen, die fakultativ anaerob wachsen. Aufgrund ihrer peritrichen Begeißelung sind sie beweglich.
Die bedeutesten Pathogene für den Menschen sind L.monocytogenes und L.ivanovii, wobei die Virulenz stark variiert. Das Serovar 4b ist am stärksten virulent.
Listerien sind psychrotroph, dass heißt sie wachsen ab 4°C innerhalb eines pH-Bereichs von 4,5 bis 9. Ab einem pH-Wert von 3,5 werden Listerien abgetötet. Wachstum ist ab einem aw-Wert von 0,92 möglich.

Als Infektionsquellen kommen v.a. Erde und Schlamm in Frage. Aber auch Tiere und seltener Menschen können Listerien übertragen.
In rohen Lebensmitteln sind sie fast ubiquitär, v.a. in Hackfleisch und Geflügel. Aber auch in erhitzten Fleischwaren oder pasteurisierter Milch kommen Listerien durch Rekontamination oder unzureichende Erhitzung vor.

Die Infektionsdosis liegt bei 100 Keimen aufwärts für die NichtRisiko-Gruppe.

Krankheitsbild: Manchmal bleibt eine Ansteckung symptomlos oder sie äußert sich in einer milden Gastroenteritis. Steckt sich eine Person einer Risikogruppe an verläuft die Infektion in 30 - 40% tödlich.
Die Keime können über die Haut und die Augen in den Körper gelangen. Der Hauptanteil wird aber wohl über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Viele Erreger werden zwar durch die Magensäure abgetötet, doch die die in den Darm gelangen gelangen invasiv in den Körper. Es folgen leichte Diarrhöe und niedriges Fieber. Die Zahl der Leukocyten steigt stark an, v.a. die Anzahl der Monocyten. Wie der Name schon sagt monocytogenes...
Die Erreger persistieren in den Monocyten, wo sie sich vermehren. Über die Blutbahn gelangen die Erreger nun in den gesamten Körper. Interzellulär sind sie vor dem Immunsystem und vor Antibiotika geschützt.
Listeria monocytogenes produziert Phospholipasen (Lecithinasen) die die Membran der Wirtszelle lysieren. Sie hydrolysieren Phosphatidylinositol und -cholin. Sie lysieren aber auch die Phagsomen im Makrophagen. Phagosomen sind Bestandteile des Makrophagen, der normalerweise für die Lyse von Erregern verantwortlich ist. Hier wird das Immunsystem ausgetrickst.
Ähnlich wie die Shigellen können sich L.monocytogenes innerhalb der Zelle mithilfe von sog. actin-tails fortbewegen.
Listerien sind auch plazentagängig, dass heißt sie gelangen von der Mutter in den Fötus. Dies führt zu Stillgeburt (ist Neusprech für Tod- und Fehlgeburt) oder Fehlgeburt oder zur systemischen Infektion des Säuglings.
Bei Älteren Menschen und Kranken kann es auch zu einer Infektion des Zentralen Nervensystems (Meningitis oder Encephalitis) oder zu einer Bakteriämie kommen.