Campylobacter jejuni

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Dieser Keim gehört zur Familie der Spirillen. Die Zellen sind also gekrümmte, S-förmige oder spiralig gewundene Stäbchen. Sie können sich durch ein polares Flagellum korkenzieherartig fortbewegen. Sie sind mikroaerophil, was bedeutet, dass sie nur sehr, sehr wenig Sauerstoff brauchen. Aber sie sind auf ihn angewiesen. Vakuumverpackte Lebensmittel sind da besonders geeignet.
Die 3 Stämme C.jejuni, C.coli und C.laridis lösen eine Gastroenteritis aus. Wobei C.jejuni am häufigsten vorkommt.
Was die Temperaturen angeht liegt das Optimum 30-45°C. Bemerkenswert ist die Tatsache, das C.jejuni auf bei Raumtemperatur gelagerten Lebensmitteln schnell abstirbt. Bei kühlen Temperaturen ist er wesentlich besser überlebensfähig. Sogar bis zu mehreren Wochen.
Das Erregerreservoir ist vor allem Geflügel doch können die Keime auch über Schmierinfektion und Fäkale Verunreinigungen kontaminiert werden. Und hier kommt fertiges Hackfleisch ins Spiel. Dies wird meist unter Schutzatmosphäre verpackt, da es sich aber um gehackte Fleischstücke handelt, bleibt zwischen dem Fleisch immer eine sehr sehr geringe Menge an Sauerstoff zurück. Kühlschranklagerung. Optimale Bedingungen.
Auch Milch kann C.jejuni enthalten, wenn die Kühe eine Mastitis (eine Euterentzündung) haben.
100 Keime reichen für eine Infektion schon aus.
Camphylobacter jejuni bringt ein Endotoxin und 2 hitzelabile Exotoxine (Cytotoxin und Enterotoxin) als Virulenzfaktoren mit.

Krankheitsbild:
Verursacht invasionsbedingte Entzündungen des terminalen Ileums (Ende Dünndarm) und des Kolons (Dickdarm). Das Cytotoxin zerstört das Cytoskelett und hält die Zellen im Cyclusarrest zwischen der G1/S- oder der G2/M-Phase. Es kommt dabei auch zu DNA Schäden.
Das Enterotoxin bindet an einen GM-1-Gangliosid-Rezeptor der Darmepithelzellen und verursacht choleratoxinähnliche wässrige Durchfälle durch die Steigerung der cAMP-Ausschüttung.
Die Gastroenteritis hat eine Inkubationszeit von 1 - 7 Tagen, doch kommt es auch nach 2 - 7 Wochen noch zur Ausscheidung der Keime.
Es kommt zu einer Aufnahme der Keime und zu einer Vermehrung im mesenterialen Lymphknoten (Aufhängeband des Darms). Folgen der Aufnahme und der Vermehrung wären dann entweder intestinale Folgeerkrankungen wie Appendizitis (Blinddarmentzündung) oder extratestinale Erkrankungen wie Meningitis (Hirnhautentzündung) oder Harnwegsinfektionen.
Wenns richtig hässlich wird kommt noch das Guillan-Barre-Syndrom dazu. Dies ist eine Autoimmunkrankheit, die das periphere Nervensystem angreift. Ausgelöst wird es vom Serotyp O19. Da dieser Serotyp gangliosidähnliche Oberflächenmerkmale aufweist sind die gebildeten Antikörper dementsprechend nicht nur zu den Keimen passend, sondern können auch mit den Nervenzellen reagieren. Innerhalb weniger Tage führt dies zur schlaffen Lähmung der Beine, zur Reflexabschwächung und zur Muskelatropie.